Erst 60 Jahre nach Kriegsende rückte das Thema in den Vordergrund:
Die Weitergabe von Kriegstraumatisierungen an die nächste Generation.
War die Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten noch der festen Überzeugung, dass kleine Kinder seelisch unempfindlich gegen traumatische Erlebnisse sind, so lässt sich heute das Gegenteil belegen.
-> Lesen Sie auch: 'Bild der Wissenschaft - Leben und Umwelt - Medizin - Vererbtes Trauma - Isabelle Mansuy (ETH und Universität Zürich) et al., Nature Neuroscience, doi: 10.1038/nn.3695
Gerade Kinder – und seien sie noch so klein – sind besonders empfänglich für Schreckenserlebnisse in ihrem Umfeld, die ihr Leben auf nachhaltige Weise prägen. Geboren in den Weltkriegsjahren der 30er und 40er Jahre trugen diese Kinder ein nie zum Ausdruck gebrachtes, belastendes Erbe in sich, welches in der arbeitsreichen Aufbauzeit und Zeiten des folgenden Wohlstandes durch Funktionieren in Schach gehalten wurde.
-> Aufschlußreiche Videos (Dokumentarfilm) und Interview:
Licht ins Dunkel der Vergangenheit –
nicht mehr online verfügbar
Vererbte Wunden – WDR-Reportage über Kriegsenkel – nicht mehr online verfügbar
Bei den heute ca. 35-55-jährigen kommt hinzu, dass sie die Kriegsenkel des zweiten Weltkrieges sind und die Erfahrungen ihrer Eltern und Großeltern unbewusst in sich tragen. Flucht, Vertreibung, Bombenangriffe, Hunger, Krankheiten, Gewalterfahrungen und Tod haben Erwachsene und Kinder der Kriegsgenerationen stumm gemacht. Von denen, die noch leben, sprechen viele bis heute nicht über ihre Erlebnisse, leiden zudem in hohem Alter an Retraumatisierungen. Gefühle mussten unterdrückt werden, Trauer hatte keinen Platz, Therapien für Traumabewältigung und posttraumatische Belastungsstörungen waren noch nicht erfunden.
Kinder litten am meisten: durch Trennung von ihren Familien, fehlenden Vätern, depressiven Müttern, Heimatverlust. Diese Kriegskinder waren - wie könnte es anders sein - bei ihren eigenen Kindern überfordert. Die eigene Biografie nie aufarbeiten und bewältigen zu dürfen bzw. zu können, stattdessen aufbauen und funktionieren müssen, hatte ihren Preis: Die Alkoholabhängigkeiten dieser Generationen sind hoch. Entsprechend viele dysfunktionale Familiensysteme finden sich allein in Deutschland.
-> Lesen Sie mehr unter 'Suchtfamilien'
Die zweite Generation – die Kriegsenkel – leiden oft an Gefühlen der Leere, ohne zu wissen warum. Sprachlosigkeit, Verlustängste, extreme Härte oder Gefühllosigkeit sich selbst gegenüber sind ständige Begleiter. Auch in der Identität und bei Bindungen finden sich Leerstellen und Unstimmigkeiten.
Deren Ursachen sind für die Betroffenen nicht erklärbar, weil es in ihrer Geschichte kein klar zuordenbares Ereignis gibt, das als Ursache verstanden werden kann.
Forscht man jedoch in der Familiengeschichte, zeigen sich Muster und Traumatisierungen, die Aufklärung bringen. Aussagekräftig sind dabei auch folgende Merkmale der transgenerativen Traumaweitergabe:
und viele andere mehr
Wenn Sie sich darin wiederfinden, lohnt sich ein Blick in Ihre Familienhistorie. Gerne unterstützen wir Sie dabei.